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Beim intermittierenden Fasten oder Intervallfasten folgen nach einem festen Schema Phasen mit normaler Ernährung auf welche ohne Nahrungsaufnahme. Gängig ist bspw. ein Wechsel alle 24 Stunden, aber auch Modelle mit ein oder zwei Tagen in der Woche, an denen nur Flüssigkeit aufgenommen wird, sind möglich.

Schon seit etwa 100 Jahren beobachtet man bei Tieren, dass sich eine solche Restriktion der Nahrungsaufnahme positiv auf die Lebenserwartung auswirken kann. Auch wenn man diese Beobachtungen nicht einfach auf den Menschen übertragen kann, so gibt es doch schon einige Hinweise dafür, dass sich das intermittierende Fasten auch bei uns sinnvoll einsetzen lässt.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass das Intervallfasten etwa bei Asthma, Rheuma, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 sowie evtl. sogar bei Depressionen eine günstige Wirkung entfalten kann. Bei Mormonen, die aus religiösen Gründen an ein oder zwei Tagen im Monat fasten, treten koronare Herzerkrankungen signifikant seltener auf als bei der Vergleichsgruppe von Mormonen, die nicht regelmäßig fasten. Das Diabetes-Risiko war in der Fastengruppe gegenüber der Vergleichsgruppe sogar nur halb so hoch. Ebenso gibt es aus präklinischen Studien Hinweise auf ein reduziertes Tumorwachstum, reduzierte Symptome von Alzheimer sowie eine Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit nach schwereren Operationen. Hier werden allerdings noch weitere Studien zur Untermauerung benötigt.

Bei Mäusen, die alle zwei Monate für vier Tage auf strenge Diät gesetzt wurden, konnten das Körpergewicht um 15 Prozent und der Blutzuckerspiegel um 40 Prozent gesenkt werden. Obwohl die Ausgangswerte schnell wieder erreicht wurden, verblieben günstige Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. So erkrankten sie um 45 Prozent seltener an Krebs (insbesondere Leukämien und Lymphome). Das Leistungsfähigkeit des Immunsystems ließ mit zunehmendem Alter nicht so schnell nach und bei den kognitiven Fähigkeiten zeigten sich ähnliche Effekte im Gegensatz zur Kontrollgruppe.

In einer Pilotstudie mit 19 gesunden Probanden und fünf Fastentagen im Monat konnten die Blutzuckerwerte um mehr als elf Prozent gesenkt werden. Insulinähnliche Wachstumsfaktoren (IGF-1) sanken um 24 Prozent, die IGF-Bindungsproteine IGFBP-1 stiegen um 50 Prozent an. Nach dem Fasten blieb der Blutzuckerwert um 5,9 Prozent niedriger und der Wert für IGF-1 um 15 Prozent. Langfristige Effekte müssen jedoch erst noch untersucht werden.

Grundsätzlich gehen diese Überlegungen darauf zurück, dass freilebende Säugetiere, insbesondere die Fleischfresser, nicht jeden Tag Beute erlegen und fressen, sondern nur an mehreren Tagen der Woche. Auch bei Affen lässt sich ein Essverhalten abhängig vom Nahrungsangebot beobachten. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft und der Domestizierung verschiedener Tierarten hat sich diese evolutionäre Notwendigkeit vor 10.000 bis 12.000 Jahren langsam zu einem Modell mit drei Mahlzeiten am Tag gewandelt. Seit der Industrialisierung hat sich dies erneut radikal verändert, vor allem im vergangenen halben Jahrhundert haben Nahrungsmittel mit hoher Kaloriendichte Einzug in unseren Speiseplan gehalten, während die Anteile körperlicher Arbeit und Bewegung allgemein gesunken sind.

Intervallfasten ist prinzipiell für jedermann geeignet, jedoch gibt es klare Kontraindikationen für Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit einer Essstörung.

Als Ursachen für die positiven Effekte werden verschiedene Prozesse des Stoffwechsels vermutet bzw. untersucht. Ein wesentlicher Faktor scheint die Ausschüttung von Insulin nach der Nahrungsaufnahme zu sein. So scheinen sich einige durch die Insulinausschüttung in Gang gesetzte Enzyme negativ auf die Lebenserwartung auszuwirken. Ebenso wird angenommen, dass sich die Widerstandsfähigkeit der Körperzellen verbessert und geschädigte Zellen und Biomoleküle vermehrt reparieren. Ein weiterer Effekt könnte die Reduktion der Zellalterung darstellen.

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