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Das Fasten diente im Altertum auch medizinisch-therapeutischen Zwecken, wie wir später noch sehen werden, es war aber ebenso ein Weg zur Erkenntnisgewinnung, nicht zuletzt zur Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung. In diesem Sinne nutzten beispielsweise der Hinduismus und der Buddhismus das Fasten. Ziel ist hier, die Einheit des Kosmos zu erfahren, zu erkennen, dass alles eins ist.

Diese Frage berührt den Bereich der Philosophie und tatsächlich nutzten auch zahlreiche philosophische Schulen das Fasten für ihre Belange.

Besonders zu erwähnen sind hier die Pythagoreer, und die Schulen des Neuplatonismus, aber auch die Stoiker und Kyniker. Genau diese philosophischen Bewegungen beeinflussten wiederum das christliche Denken und ganz besonders das frühe Mönchtum entscheidend.

Durch das Fasten versprachen sich die Philosophen eine Einübung in das Maßhalten und die Genügsamkeit.

Die Kyniker erstrebten - ebenso wie die Mönche - eine Lebensweise, in der alle nicht existenziell notwendigen Bedürfnisse ausgeschaltet werden sollten. Deshalb galt eine möglichst einfach Kost bei möglichst geringer Menge als ideal. Sie empfahlen vor allem Brot, Kresse, Bohnen, Feigen und einige weitere Kräuter und Früchte. Als Getränk sollte das reine Wasser genügen.

Bei den Stoikern waren der richtige Gebrauch der Vernunft und die Bewahrung der inneren Freiheit das höchste Lebensziel. Dazu gehörte naturgemäß nicht nur der richtige, vernünftige Umgang von Essen und Trinken, sondern auch die vorübergehende Enthaltsamkeit von Nahrung, die neben anderen asketischen Übungen zur Überwindung der Affekte, die einem an einem vernunftgemäßen Leben hinderten, dienen sollte.

Die Pythagoreer, die auf den berühmten Philosophen und Mathematiker Pythagoras zurückgehen, sind unter anderem dafür bekannt, dass sie eine Enthaltsamkeit von jeder tierischen Kost, auch von Eiern und Fisch, sowie Wein und Bohnen forderten.

Nach platonischer Lehre soll die Seele von den Fesseln der körperlichen Bedürfnisse befreit werden, um so ein von Vernunft und Geist bestimmtes Leben führen zu können. Im Neuplatonismus entwickelte sich deshalb eine Fastenaskese, die sogar das Verlangen nach Speise überwinden wollte. Darin sah man einen Weg, dem Göttlichen näher zu kommen. Tierische Kost wurde völlig abgelehnt, ebenso wie Wein. Die Speise sollte möglichst leicht und möglichst gering ausfallen.

Die gänzliche Enthaltsamkeit gegenüber dem Verzehr von Fleisch liegt allerdings auch in dem Glauben an die Seelenwanderung begründet.

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