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Die Melisse wird zu den großen Arzneipflanzen gezählt und gilt geradezu als Synonym für die Epoche der Klostermedizin (8. bis 12. Jh.). Dies war nicht zu allen Zeiten der Fall. Gerade an dieser Pflanze wird deutlich, dass die genaue Betrachtung des Mittelalters bei der Aufarbeitung der Geschichte der Arzneipflanzen völlig unerlässlich ist, zumal die Stellung der Melisse in der Heilkunde der Antike nicht genau beschrieben werden kann.

Melissa ist das griechische Wort für Biene. Mit Melissophyllon, also Bienenblatt, beschrieben die Griechen eine Pflanze, die von den Bienen besonders geliebt wird. Wir kennen sie heute als Immenblatt (Melittis melissophyllum), wobei Imme ein Synonym für Biene ist. Bei Dioskurides und Plinius dem Älteren findet sich das Immenblatt im 1. Jh. n. Chr., verwendet werden ausschließlich die Blätter. Auch Galen hat die Pflanze mit gewisser Wahrscheinlichkeit beschrieben. Die Zitronenmelisse ist in der Antike aber nicht sicher greifbar.

Hildegard von Bingen erwähnt im 12. Jh. in Kapitel 59 des 1. Buches ihrer "Physica" eine Binsuga oder Bienensaug genannte Pflanze, die wir heute recht eindeutig als Weiße Taubnessel (Lamium album) identifizieren können. Dies stellten schon die Hildegard-Forscher des 19. Jhds. fest (Daremberg und Reuss sowie Berendes). Die Zitronenmelisse findet sich bei Hildegard hingegen überhaupt nicht.

Erst im "Kanon der Medizin" von Avicenna (11. Jh.) sowie im "Circa instans" aus der Schule von Salerno (12. Jh.) kann die Melisse (Melissa officinalis) sicher nachgewiesen werden. Bei Avicenna heißt die Pflanze Bederenzegun und Bedarungiue, im "Circa instans" finden sich die Namen Melissa und "Citrina" für "Zitronige".

Als Vinzenz von Beauvais im 13. Jh. sein "Speculum naturale" verfasste, überschrieb er ein Kapitel mit "De Melissa et Melissophillo" und vermengte darin Schriften zum Immenblatt (u.a. Plinius) und der Melisse (aus dem "Circa instans"). Dies setzt sich auch im ersten großen gedruckten Kräuterbuch, dem "Gart der Gesundheit" von 1485 fort.

Hieronymus Brunschwig nahm in seine Destillierbücher (1500 und 1515) ein Melissentraktat auf, dessen Herkunft sich nicht eindeutig bestimmen lässt und in dem ebenfalls antike Quellen zum Immenblatt eingearbeitet sind. Selbst Marzell und Madaus brachten im 20. Jh. noch die historischen Quellen zu Immenblatt und Melisse zusammen.

Aus heutiger Sicht müssen wir jedoch feststellen, dass hier drei verschiedene Pflanzen beschrieben wurden, deren Vermengung nicht zuletzt auf Ähnlichkeiten der Namen bzw. der Bedeutung dieser zurückgeht.

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