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Buchtipp: Pflanzliche Arzneimittel - was wirklich hilft von Prof. Dr. Robert Fürst (Lehrstuhl Pharmazeutische Biologie, Uni Frankfurt)

Bereits im Februar ist ein günstiges Büchlein von Prof. Fürst erschienen, das sich vorrangig an interessierte Laien richtet, daneben aber sicherlich auch für Fachleute geeignet ist, die sich bislang noch nicht eingehender mit pflanzlichen Arzneimitteln bzw. der Phytotherapie beschäftigt haben oder ihr Grundwissen dazu auffrischen möchten. Der Band dürfte für alle interessant sein, die einen seriösen Zugang zur Pflanzenheilkunde suchen.

Der Autor möchte dem Leser folgende Fragen beantworten:
Pflanzliche Arzneimittel - was wirklich hilft- Welche Pflanzen können bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll eingesetzt werden?
- Welche Präparate sind aufgrund ihrer Zusammensetzung zu bevorzugen?
- Wie ist es um den Nachweis der Wirksamkeit dieser Phytopharmaka bestellt?

Nach einem kurzen Ausflug in die Geschichte der letzten Jahrtausende erfolgt eine prägnante Definition und Abgrenzung des Themas:
"Arzneipflanzen wurden im 19. Jahrhundert zu Lieferanten von isolierten, hochwirksamen Einzelwirkstoffen. Doch der Gedanke, die Pflanze, einen Pflanzenteil oder einen Extrakt daraus - also ein Vielstoffgemisch - weiterhin als Arzneimittel zu nutzen, ging nie ganz verloren. Ein entscheidender Schritt war, dass der französische Arzt Henri Leclerc die überlieferte Heilkräuterkunde zur naturwissenschaftlich orientierten Pflanzenheilkunde, der sogenannten Phytotherapie, weiterentwickelte. In Deutschland stieß der Internist Rudolf Fritz Weiss diesen Wandel an.

Die Phytotherapie begreift sich als Teil der naturwissenschaftlichen Medizin, die im Volksmund Schulmedizin heißt. Sie hat keine eigenen Theorien hinsichtlich des Aufbaus und der Funktionsweise des Körpers, der Entstehung und Diagnose von Krankheiten sowie der Art und Weise wie Wirkstoffe - im Fall der Phytotherapie also ein Gemisch aus Pflanzeninhaltsstoffen - den Körper beeinflussen. Dieser Grundsatz ist immens wichtig, denn er unterstreicht, dass sich die Phytotherapie nicht mit esoterischen Vorstellungen beschäftigt, sondern sich auf einer soliden wissenschaftlichen Basis bewegt.

Nicht zur Phytotherapie gehören die Homöopathie, die Anthroposophie, die Spagyrik und auch die Bach-Blütentherapie. Diese alternativen Behandlungsmethoden benutzen zwar ebenfalls Arzneipflanzen, sie gehen aber nicht nach naturwissenschaftlichen Konzepten vor."

Gut ein Viertel des Buches erläutert verschiedene Formen pflanzlicher Arzneimittel, die Herkunft der Drogen, rechtliche Aspekte, Wirknachweise und die Erstattungsfähigkeit. Zudem werden zugelassene von registrierten Arzneimitteln und diese wiederum von Nahrungsergänzungsmitteln abgegrenzt.

Etwa die Hälfte des Bandes nehmen die einzelnen Organsysteme bzw. konkrete Krankheitsbilder in Anspruch: Atemwege, Magen und Darm, Harnsystem und Geschlechtsorgane, Gehirn und Nerven, Bewegungsapparat, Herz und Kreislauf, Haut sowie abschließend Krebserkrankungen. Erwähnung finden insgesamt etwa 50 Pflanzen, einige davon werden auch kurz in der Form von Mini-Porträts vorgestellt.

Trotz des knappen Umfangs ist das Buch keine Textwüste, sondern ansprechend mit Fotos und Grafiken illustriert. Auch Infokästen sind an geeigneter Stelle integriert. Fürst gelingt es bei aller Kürze, dem Leser alle wesentlichen Punkte präzise zu vermitteln. Dabei kann der Autor naturgemäß nicht die Tiefe erreichen, die Standardwerke wie Schilchers "Leitfaden Phytotherapie" oder Wichtls "Teedrogen und Phytopharmaka" bieten.

Das Taschenbuch ist bei Avoxa erschienen, hat 96 Seiten und kostet 11,90 Euro.
ISBN 978-3-7741-1389-3 (Buch)
ISBN 978-3-7741-1390-9 (E-Book)

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