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In der Tradition gibt es kaum Zufälle: Bei genauerem Hinsehen macht fast alles einen Sinn, so ist es auch keine Zufall, dass bestimmte Gewürze gerade in der Weihnachtszeit schon seit Jahrhunderten besonders beliebt sind. Dass die für das Weihnachtsgebäck typischen Gewürze tatsächlich mit den jahreszeitlich bedingten Krankheiten zu tun haben, zeigen bereits die Zutaten zum traditionellen ‘Melissengeist’. Er wird u.a. bei Kopfschmerzen, Erkältungen und Katarrhen empfohlen und neben Melisse, Angelikawurzel und Alant finden sich hier Zimtrinde, Zimtöl, Anis und Anisöl, Kardamomöl, Pfeffer, Ingwer und Gewürznelke.

ZimtDie meisten der verwendeten Ingredienzien sind bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wirksam, was gerade in der Festtagszeit durchaus sinnvoll sein dürfte.

Zu den einzelnen Pflanzen:

Anis (Anisi fructus von Pimpinella anisum L.): Der Anis, insbesondere das Anisöl, hat eine schleim- und krampflösende Wirkung. In hohen Dosen wirkt es antibakteriell. Im ‚Macer floridus‘ heißt es, dass Anis eine sehr „erwärmende“ Wirkung habe. Deshalb wirke er gegen „überflüssige“ Feuchtigkeiten, wie etwa Schnupfen. Außerdem fördere er die Verdauung.

Ingwer (Zingiberis rhizoma von Zingiber officinale Roscoe): Fördert Speichelfluss und Magensaftsekretion. Nach Hildegard vom Bingen ist der Ingwer sehr warm und ausdehnend. Sie empfiehlt ihn bei Auszehrung und bei Magen- und Darmbeschwerden. Dazu bietet sie ein Rezept für Ingwertörtchen: „Wer unter Verstopfung im Magen und im Bauch leidet, der pulverisiere Ingwer und mische dieses Pulver mit ein wenig Saft von der Ochsenzunge. Zusammen mit Bohnenmehl mache er Törtchen und backe sie in einem Ofen bei leichter Hitze. Man nehme sie nach dem Essen und auch nüchtern zu sich, denn sie mindern das stinkende Übel im Magen und stärken den Menschen.“
Das ‘Circa instans’, die bedeutendste Arzneimittelehre des Mittelalters, empfiehlt den Ingwer bei Husten und anderen Erkrankungen der Atemwege sowie ebenfalls für den Magen-Darm-Bereich.
Ingwer ist die wichtigste Arzneipflanze bei Übelkeit.

Koriander (Coriandri fructus von Coriandrum sativum L.) hat milde schleimlösende, blähungstreibende und verdauungsfördernde Eigenschaften. Deshalb wird er bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich sowie bei Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Schon im Alten Testament wird sein Geschmack mit dem des „Manna“ verglichen, der Speise, die vom Himmel fällt. Adam Lonitzer schreibt in seinem berühmten Kräuterbuch: „Der Samen in Wein oder Essig gebeizt und wieder gedörrt, ist edel für den Magen.“

Nelkenwurz (Geum urbanum L.) wird nur volksmedizinisch angewandt, meist bei Schleimhaut und Zahnfleischentzündungen oder als Tonicum und Stomachicum amarum. Nelkenwurz zählt zu den ältesten Gewürzen überhaupt. Hildegard von Bingen schreibt Nelkenwurz aphrodisiakische Wirkung zu und empfiehlt sie bei Auszehrung und gegen Kopfschmerzen, während das ‘Circa instans’ ihr eine verdauungsstärkende Wirkung zuschreibt.

Safran (Crocus sativus L.)gilt als Mittel zur Beruhigung; er soll auch Krämpfe lindern.
In der mittelalterlichen Medizin wurde er neben anderen Gebrechen auch bei Erkrankungen der Atemweg und zur Stärkung des Magens verwendet.

Zimt (Cinnamomum verum J.S. Presl) wird heute noch bei leichten, krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, bei Völlegefühl und Blähungen als hilfreich betrachtet. Zimtrinde stärkt die Verdauung und hemmt Bakterien und Pilze. Dem mittelalterlichen ‘Circa instans’ zufolge wurde Zimt bei Husten sowie Magenbeschwerden und Leberkrankheiten eingesetzt. Hildegard von Bingen sagt, dass die Zimtrinde die üblen Säfte vertreibt und gute Säfte im Menschen bereitet. In der Volksheilkunde galt Zimtrinde als Mittel bei Erkältung und Grippe.

Feigen (von Ficus carica L.) und Rosinen: Unter dem Namen „Carecas“ waren die getrockneten Feigen im Mittelalter bekannt. Schon das ‚Lorscher Arzneibuch’ aus der Zeit Karls des Großen (um 800) lobt sie. Bei einem beginnenden Katarrh sollen sie für längere Zeit gekaut werden, auch bei rauem Hals und bei Heiserkeit soll man sie genießen. Dies wird auch von den Rosinen gesagt, die von süßen, weißen Trauben stammen.

Mandeln: „Amigdalas“, vor allem wenn sie etwas bitter sind, bekommen Leberkranken gut, meint das ‚Lorscher Arzneibuch’. Man soll ihnen aber, nachdem sie in lauwarmes Wasser gelegt wurden, die Haut abziehen und sie so essen. Gut zerstoßen ohne Haut helfen sie in bestem Honig eingelegt beim Katarrh, und zwar zu Beginn der Erkrankung.

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