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Herbstzeit ist auch Hochzeit für die Verarbeitung von Beinwell. Eine wirklich tolle Arzneipflanze, doch es gibt ein paar Dinge zu beachten...

Als Arzneipflanze zugelassen ist Beinwell gemäß der einschlägigen Monographien ausschließlich äußerlich bei schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen sowie zur lokalen Durchblutungsförderung.

In der Heilkunde wird vor allem die Wurzel, seltener auch das Blatt bzw. das Kraut verwendet. Die pharmakologischen Eigenschaften der Droge beruhen wesentlich auf dem Gehalt an Allantoin, Cholin, Schleimstoffen und Gerbstoffen. Allantoin beschleunigt die Zellregeneration und fördert die Wundheilung. Cholin fördert die lokale Durchblutung, verletztes Gewebe heilt schneller, Hämatome bilden sich schneller zurück; die Gefahr der Bildung von Ödemen sinkt.

Entgegen weitläufiger Meinung sollte man Beinwell aber weder einnehmen, noch offene Wunden damit behandeln. Besonders gefährlich ist der Konsum von Beinwell-Tee in der Schwangerschaft. Während schon beim Erwachsenen nach ausgiebigem Konsum ein lebensgefährlicher Lebervenenverschluss durch die enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide droht, ist ungeborenes Leben besonders gefährdet. In der Literatur sind zahlreiche Todesfälle weltweit dokumentiert. Besonders perfide ist, dass Beschwerden nicht akut auftreten, sondern sich die metabolische Toxifizierung in der Leber über Jahre kumuliert (Langzeittoxizität). Diese ist dann im Gegensatz zu akuten Vergiftungen (wie bspw. bei Pferden) nicht reversibel. Pyrrolizidinalkaloide stehen außerdem im Verdacht, krebserregend zu sein.

Für Fertigarzneimittel wird aus diesem Grund mittlerweile nicht mehr der Echte Beinwell (Symphytum officinale) verwendet, sondern der Hybrid Symphytum x uplandicum Nyman var. Harras, der weitgehend frei von gefährlichen Alkaloiden ist. Früher wurden diese aufwändig durch spezielle Verfahren herausgewaschen.

Auch andere Pflanzenarten enthalten Pyrrolizidinalkaloide, in diesem Sommer waren diverse Kreuzkrautarten deshalb nahezu ständig in den Medien präsent. Huflattich und Borretsch können ebenfalls höhere Konzentrationen von Pyrrolizidinalkaloiden enthalten, weshalb man auch hier mittlerweile auf spezielle Sorten zurückgreift.

Quellen und weiterführende Links:
http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/beinwell.php
http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2065
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Herbal_-_Summary_of_assessment_report_for_the_public/2015/07/WC500191219.pdf
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Herbal_-_HMPC_assessment_report/2015/06/WC500187600.pdf
http://www.bfr.bund.de/cm/343/analytik-und-toxizitaet-von-pyrrolizidinalkaloiden.pdf

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