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In der aktuellen Debatte um eine Legalisierung von Cannabis wird viel zu selten darauf eingegangen, wie es überhaupt zum Verbot kam. Ein kleiner Überblick.

Die frühesten Aufzeichnungen über den rituellen und medizinischen Gebrauch von Cannabis stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und finden sich neben chinesischen Kräuterbüchern auch in der hinduistischen Schrift "Atharvaveda". Archäologische Funde in Taiwan weisen jedoch auf eine viel frühere Verwendung hin.

Auch der berühmte Papyrus Ebers und andere Schriften aus Ägypten erwähnen bereits die medizinische Nutzung von Cannabis. Im antiken Griechenland wurde Cannabis u. a. zur Behandlung von Pferden verwendet. Im "Wiener Dioskurides" aus dem 6. Jh. findet sich Cannabis sativa. Dieses Werk basiert auf den Schriften des Arztes Pedanios Dioskurides, der im 1. Jh. lebte. Hildegard von Bingen empfiehlt Cannabis sativa in ihrer "Physica" nur gesunden und kräftigen Naturen, nicht aber Personen mit "schwachem Gehirn".

Größeres medizinisches Interesse an Cannabis gab es in der westlichen Welt ab etwa 1840. Diese Phase dauert rund 100 Jahre. Doch bereits ab 1860 wurde Cannabis in einigen Staaten reglementiert oder ganz verboten.

Auf der zweiten Opiumkonferenz 1925 in Genf forderte Ägypten Einfuhrbeschränkungen für Cannabis indica, den indischen Hanf. Verantwortlich dafür war ein Engländer namens John Warnock, der in Kairo eine psychiatrische Anstalt leitete. Er machte ohne wissenschaftliche Grundlage Cannabis-Konsum für einen Großteil aller psychischen Erkrankungen in Ägypten verantwortlich. Die meisten teilnehmenden Länder wurden davon überrumpelt, u. a. Deutschland und verständlicherweise auch Indien wollten den Antrag jedoch nicht unterstützen. Ägypten drohte damit, zwei populäre deutsche Produkte mit Einfuhrbeschränkungen zu belegen: Kokain von Merck sowie Heroin von Bayer (Randnotiz: Heroin wurde von Bayer in Deutschland bis 1958 vermarktet, seit 2009 gibt es eine erneute legale Heroinproduktion). So war nachfolgend nur noch die medizinische und wissenschaftliche Nutzung von Cannabis indica gestattet.

1936 begann der Medienmogul William Randolph Hearst (Vorlage für "Citizen Kane" von Orson Welles) eine Kampagne gegen Cannabis. Hierfür werden zwei Hintergründe genannt, die eng miteinander verknüpft sind:

1933 wurde in den USA die Prohibition, also das totale Alkoholverbot, durch eine Gesetzesänderung beendet. Eine ganze Bundesbehörde, die das Verbot seit 1920 überwacht hatte, war nun in ihrer Existenz bedroht. Leiter der Behörde war Harry J. Anslinger. Sein Schwiegeronkel war der damalige US-Finanzminister Andrew W. Mellon. Dieser hatte nicht nur enge Geschäftsbeziehungen zum Medienmann Hearst, sondern auch zum Nylon-Hersteller DuPont. Hier wollte man nur zu gern etwas gegen die missliebige Konkurrenz durch Hanfseile unternehmen.

Zur Kampagne von Hearst wurde 1936 der Propagandafilm "Reefer Madness" hergestellt, in dem jugendliche Cannabis-Konsumenten gewaltätig werden, dem Wahnsinn verfallen oder Suizid begehen. Cannabis wurde als gefährlicher als Kokain und Opium dargestellt.

1937 wurde Hanf in den USA durch Strafsteuern quasi komplett verboten. Eine zwischenzeitliche Lockerung während des Zweiten Weltkrieges erwies sich als Strohfeuer: Nach Kriegsende wurden die Felder abgebrannt, Hanf wurde erneut verboten. Eine Expertenkommission erstellte 1944 den La-Guardia-Report, in dem zahlreiche Vorurteile gegenüber Cannabis widerlegt wurden. Aufgrund des Druckes von Anslinger und seiner Behörde blieb dies jedoch weitestgehend unbeachtet. Später ging Anslinger zur UNO und setzte 1961 ein nahezu weltweites Verbot von Cannabis durch.

1964 wurde erstmals der Wirkstoff THC isoliert, eine wissenschaftliche Erforschung von Cannabis als Arzneimittel begann. Seit Ende der 80er wird das endogene Cannabinoid-System mit seinen Rezeptoren näher erforscht. Seitdem gibt es zahlreiche Studien zu möglichen Indikationen von Cannabis, u. a. bei Krebs, Diabetes, ADHS und Arteriosklerose.

In vielen Ländern ist Cannabis für medizinische Zwecke in den vergangenen Jahren nach Jahrzehnten der Dämonisierung wieder legalisiert worden, in Deutschland geschah dies 2011.

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