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Die Wiege des modernen Menschen stand vor etwa 200.000 Jahren in Afrika. Unsere Vorfahren kamen über den Nahen Osten vor etwa 40.000 Jahren nach Europa. Im Nahen Osten wurde auch die abendländische Kultur begründet - genau dort, wo seit fast 100 Jahren durchgängig das Chaos regiert. Im Zweistromland, was wir heute größtenteils Irak und Syrien nennen, wurde der Mensch vor etwa 12.000 Jahren vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern. Erste Hochkulturen entwickelten sich dort vor gut 6.000 Jahren, darunter Sumer, später Babylon und etwas weiter entfernt Ägypten. In Fernost und in Amerika entwickelten sich parallel vor 4.000 bis 5.000 Jahren ebenso erste Hochkulturen.

Die gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser frühen Hochkulturen im Nahen Osten beeinflussten die antiken Griechen, die nicht selten in Ägypten eine Ausbildung genossen. So kam medizinisches, mathematisches oder astronomisches Wissen in den Mittelmeerraum und wurde dort weiterentwickelt. Zahlreiche Heilpflanzen, die ursprünglich aus dem Nahen Osten stammen, kamen über die Zwischenstation Mittelmeerraum mit den Römern zu uns über die Alpen und sind hier heute heimisch.

Andere Heilpflanzen kamen bereits in der Antike über den Fernhandel (Seidenstraße) aus Indien oder China, so der Ingwer und seine Verwandten Galgant und Zitwer, aber natürlich auch Pfeffer. Wie die ganzen Pflanzen eigentlich aussahen, das war in Europa meist unbekannt, auch über die Verwendung in den Ursprungsländern wusste man nicht viel. So hat der Ingwer in Europa seit Jahrtausenden eine nahezu komplett andere Anwendungsgeschichte als in Fernost.

Nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches und der Völkerwanderung verloren wir Westeuropäer einen Großteil des medizinischen Wissens der Antike. Die Epoche der Klostermedizin im frühen und hohen Mittelalter musste mit den rudimentären Kenntnissen der Volksheilkunde und den Texten auskommen, die auf Latein vorhanden waren. Viele medizinische Schriften waren aber auf Griechisch verfasst und fanden deshalb nur noch im oströmischen Reich Verwendung. Dort wurden sie auch von Christen (Nestorianer) bereits früh ins Arabische übertragen und weiterentwickelt. Avicenna schrieb im frühen 11. Jh. nicht zuletzt auf Basis griechischer Quellen seinen "Kanon der Medizin", der bereits um 1170 in Toledo ins Lateinische übersetzt wurde. In der Schule von Salerno wurden ebenfalls arabische Texte ins Lateinische übertragen. Ab dem späten Mittelalter waren sie in ganz Europa verfügbar und beeinflussten die abendländische, jetzt universitäre Medizin maßgeblich bis ins 19. Jh. Bezeichnend ist, dass im Mittelalter nicht selten Christen, Juden und Araber gemeinsam an den jeweiligen Übersetzungen arbeiteten.

Mit der Wiederentdeckung Amerikas kamen in der Frühen Neuzeit zahlreiche wichtige Arzneipflanzen erstmals nach Europa, darunter die Kapuzinerkresse, die Passionsblume und der Gartenkürbis. In der Missionsmedizin werden speziell die Pflanzen erforscht, die Nonnen und Mönche aus den Kolonien mitbrachten.

Und heute? Heute schauen wir sehnsüchtig nach den Medizintraditionen der Inder und Chinesen - und vergessen darüber nicht selten unsere eigene Tradition. Dabei liegen diese teils weit näher beieinander als man vielleicht vermuten mag. In Teilen Indiens und Chinas gibt es sogar die Unani-Medizin - die griechische Medizin. Sie basiert u.a. auf den von Avicenna weiterentwickelten Lehren Galens. Sie lässt sich in Indien mindestens seit dem 13. Jh. nachweisen.

Tumorerkrankungen behandeln wir heute nicht selten mit der Pazifischen Eibe, dem Chinesischen Lebensbaum (Camptotheca acuminata) oder dem Schildförmigen Fußblatt aus Nordamerika.

Diese kleine Übersicht beschränkt sich fast ausschließlich auf medizinhistorische Aspekte und soll beispielhaft für verschiedene kulturelle Errungenschaften stehen, die nur aufgrund des Austausches zwischen verschiedenen Völkern und auch Religionen möglich waren. Es gibt da draußen noch viel für uns Europäer zu entdecken, wenn wir anderen Völkern auf Augenhöhe begegnen und ihnen zuhören.

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