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Das in etwa möchte man der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zurufen, wenn sie in einem aktuellen Positionspapier mal eben die gesamte Medizingeschichte bis ins 19. Jh. als Placebo deklariert:

"Obwohl bereits im 13. Jahrhundert die Bedeutung von Experiment und Mathematisierung für die Wissenschaft erkannt wurde (Roger Bacon) und im 16. Jahrhundert mit der Aufklärung (René Descartes und Francis Bacon) auch in der Medizin ein ‚neues Denken‘ einsetzte, das der empirischen Überprüfbarkeit von Therapieerfolgen und der naturwissenschaftlichen Forschung verpflichtet war, blieben antike und mittelalterliche Vorstellungen von Krankheit und Heilung mit humoralistisch-galenischen, mythisch-spirituellen und symbolischen Deutungen noch bis in das 19. Jahrhundert maßgeblich für ärztliche Therapien. Im Rückblick werden Heilerfolge damaliger Ärzte überwiegend kontextuelle (Placebo-)Effekte gewesen sein."

Interessanterweise unterschlagen die Autoren hier den "Kanon der Medizin" von Avicenna, der bereits in der ersten Hälfte des 11. Jhds. genaue Regeln zum Experimentieren mit Arzneimitteln aufgestellt hat. Das Werk verbreitete sich ab der zweiten Hälfte des 12. Jhds. in lateinischer Übersetzung auch in Europa und wurde schnell zur Pflichtlektüre an den Universitäten.

Der Abschnitt über Phytotherapie enthält zahlreiche Ungenauigkeiten und Verfälschungen, man könnte es fast Manipulation nennen. Hier wird bspw. der Entzug der Zulassung von Kava-Kava angeführt, der mittlerweile von der Justiz als widerrechtlich kassiert wurde. Ebenso wird auf die tatsächlich vorhandenen Neben- und Wechselwirkungen von Johanniskraut hingewiesen, dabei fallen aber die positiven Vergleichsstudien mit Sertralin unter den Tisch, das ebenfalls nicht arm an Neben- und Wechselwirkungen ist. Solche Argumentationen sind unredlich.

Eher zum Schmunzeln ist die Verortung von Paracelsus in das 14. Jh., wenn dieser erst 1493 geboren wurde und somit im 16. Jh. gewirkt hat.

Hier geht es zum Positionspapier:
http://www.egms.de/static/de/journals/gms/2015-13/000209.shtml

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