Forschergruppe Klostermedizin

Johannes Gottfried Mayer

Johannes Gottfried Mayer (1953-2019)

Wir hatten uns doch noch so viel vorgenommen...

Am 27. März 2019 ist Dr. Johannes Gottfried Mayer, der Gründer und Kopf der Forschergruppe Klostermedizin, vollkommen unerwartet im Alter von 65 Jahren verstorben.

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Naturheilkunde-Blog

Blog

In unserem Naturheilkunde-Blog möchten wir Ihnen in loser Folge Textbeiträge zu verschiedenen Themen anbieten, die wir größtenteils ursprünglich auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht haben. Thematisiert werden hier verschiedene historische und aktuelle Aspekte der Naturheilkunde.

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Fast jeder erkennt die (Zitronen-)Melisse. Die Angelika dagegen, auch Engelkraut oder Engelwurz genannt, dürfte weit weniger bekannt sein. Dabei ist die stattliche Pflanze Bestandteil fast jeder Rezeptur des „Melissengeistes“ und dies sogar mit einem meist wesentlich höheren Anteil als die namensgebende Melisse. Der beliebte Gesundheitstrunk könnte also genausogut „Angelikageist“ heißen - oder „Engelsgeist“, das wäre ebenfalls ein schöner Name!

Angelika - Angelica archangelica L., Apiaceae

Angelika gehört zu den Doldenblütlern (Apiaceae). Sie zählt zu den wenigen Arzneipflanzen, die aus dem Norden kommen, in diesem Fall ursprünglich sogar aus Grönland, Island und Norwegen. Die griechischen Ärzte der Antike kannten sie deshalb nicht. Die Germanen nutzten sie dagegen sogar in der Küche.

In Mitteleuropa wurde die Pflanze in der Medizin anscheinend erst durch die große Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts allgemein bekannt. Nach einer Legende soll der Erzengel Raphael selbst die „Engelswurzel“ den Menschen als Schutz vor dem „Schwarzen Tod“ gezeigt haben. Deshalb wurde sie mancherorts volkstümlich auch „Pestwurz“ genannt; botanisch bezeichnet „Pestwurz“ jedoch Arten der Gattung Petasites.

In der modernen Phytotherapie (Kräuterheilkunde) wird die Wurzel verwendet. Sie enthält ätherisches Öl, Bitterstoffe, Cumarine (darunter Furanocumarine) sowie Gerbstoffe. Die Zubereitungen regen die Magensaftsekretion an, können krampflösend wirken und den Gallenfluss fördern; antimikrobielle Effekte sind vor allem in vitro gezeigt. Deshalb wird Angelikawurzel zur Appetitanregung und zur Linderung dyspeptischer Beschwerden (Völlegefühl, Blähungen, krampfartige Magen‑/Darmbeschwerden) eingesetzt.

Wichtig: Nicht anwenden in Schwangerschaft und Stillzeit. Wegen phototoxischer Furanocumarine direkte Sonnen‑/UV‑Exposition bei äußerlicher Anwendung meiden; nicht auf verletzter Haut anwenden. Bei Gallenwegserkrankungen oder Magen‑/Zwölffingerdarmgeschwüren nur nach ärztlicher Rücksprache.

In der Erfahrungsheilkunde wird die Angelikawurzel auch bei Husten als antiseptisches, auswurfförderndes Mittel verwendet sowie bei Brechreiz und Menstruationsstörungen. Außerdem soll sie einen harntreibenden Effekt besitzen. Das ätherische Öl wird manchmal auch bei nervösen Schlafstörungen eingesetzt.

Äußerlich kann Angelikawurzel bei rheumatischen Beschwerden als leicht hautreizendes Mittel verwendet werden; wegen möglicher Phototoxizität anschließend Sonne/UV meiden.

Die Pflanze ist also eine wirkliche „Engelwurz“. Dieses beachtliche Wirkungsspektrum ist wohl auch der Grund dafür, dass die Angelikawurzel in vielen Kräuterschnäpsen und Likören zu finden ist.

Literatur:
Johannes G. Mayer, Bernhard Uehleke, Pater Kilian Saum: „Handbuch der Klosterheilkunde“, ZS-Verlag München, S. 44-45.

 

Arzneipflanze des Jahres 2026

Arzneipflanze des Jahres 2026

Aufgrund seiner reichhaltigen Nutzung in der Geschichte und Gegenwart kürt der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde den Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres 2026.

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Ausbildung

Ausbildung Klostermedizin und Phytotherapie

Gerade Deutschland besitzt eine lange Tradition und Erfahrung in der Pflanzenheilkunde, die in der Klostermedizin ihren Ausgang nahm. Seit Herbst 2010 bietet die Forschergruppe Klostermedizin eine Fortbildung für Ärzte, Heilpraktiker, Apotheker und Interessierte an. Der nächste Ausbildungskurs beginnt im Juni 2018.

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Aktuelle Publikationen und Medienberichte

Tobias Niedenthal
„Ein unscheinbares, doch vortreffliches Kraut“: Historische Bemerkungen zur Schafgarbe. Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen (im Druck, ZAG 4/2025 – Dezember)

Sammelband: Augsburger Medizingeschichte in europäischer Vernetzung: Materia Medica Augustana (im Druck, 13. November 2025)

  • Stefan Buß, Julia Kessler, Tobias Niedenthal, Klaus Wolf — „Ulrich Ellenbog. Pesttraktat (Tractatus de pestilentia, deutsch). Erstedition.“ 127–147.
  • Stefan Buß, Julia Kessler, Tobias Niedenthal, Klaus Wolf — „Ulrich Ellenbog: Erster umweltmedizinischer Traktat in deutscher Sprache. Erstedition.“ 149–153.
  • Tobias Niedenthal — „Ulrich Ellenbog über Pest und Gewerbehygiene.“ 155–162.

Tobias Niedenthal
"Zur Geschichte der Extraktion und Destillation aromatischer Stoffe sowie der Auszüge aus Rosen." Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen 29(3): 108–111

Tobias Niedenthal
"Die Übernahme des antiken Heilpflanzenwissens im lateinischen Mittelalter am Beispiel ausgewählter Werke und Arzneipflanzen." Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen 29(1): 23–32 (2025)

EN‑Preprints – Englische Übersetzungen und Zusammenfassungen (freie Volltexte)

Tobias Niedenthal
"Hildegard of Bingen: Life, Medicine and Natural Knowledge." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Odo Magdunensis and the Macer floridus." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Walahfrid Strabo and the Hortulus." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"The Lorscher Arzneibuch (LA) ['Lorsch Book of Remedies']." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Rotten cheese steep'd in tobacco: The history of saw palmetto (Serenoa repens) from crop and foodstuff to a recognised medicinal plant." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal, Johannes G. Mayer
"Drink before breakfast and vomit: The history of witch hazel (Hamamelis virginiana) in America and Europe." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Evidence Brief — Monastic Medicine (ca. 500–1200): Text vs. Myth." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Evidence Brief — Hildegard of Bingen (1098–1179): Text vs. Myth." Zenodo (2025)

Naturwissenschaftliche Papers

Katharina Wetzel, Priscilla Nhan, Tatyana Tishakova, Tobias Niedenthal, Marvin Häßler, Juan F. Ayala‑Cabrera, Lidia Montero, Oliver J. Schmitz
"The benefits of multi-2D LC × LC compared to LC × LC for the analysis of European herbal remedies." Analytical and Bioanalytical Chemistry (19. Dezember 2025)

Fabien Schultz, Tobias Niedenthal, Isabel Nicolai-Lorenz, Kandace Baez, Tabitha Iker, Leif-Alexander Garbe
"A potion for prolonged life? Germes’ recipe, a secret handwritten note from an 18th century Swedish physician." Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine (22. Oktober 2025)

Marvin Häßler, Katharina Wetzel, L. Warnecke, Tobias Niedenthal, Lidia Montero, Juan F. Ayala‑Cabrera, Oliver J. Schmitz
"Assessment of the differentiation of Sambucus nigra plant parts using a multi‑target and suspect screening by LC‑HRMS and ICP‑OES." Analytical and Bioanalytical Chemistry (20. September 2025)

Katharina Wetzel, Tishakova Tatyana, Marvin Häßler, Tobias Niedenthal, Juan F. Ayala‑Cabrera, Lidia Montero, Oliver J. Schmitz
"Which extraction technique is the best for LC × LC analysis of bioactive compounds from European medicinal plants: Conventional or sustainable extraction techniques?" Green Analytical Chemistry (März 2025)


Presseschau zu den Arzneipflanzen des Jahres

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