Forschergruppe Klostermedizin

Johannes Gottfried Mayer

Johannes Gottfried Mayer (1953-2019)

Wir hatten uns doch noch so viel vorgenommen...

Am 27. März 2019 ist Dr. Johannes Gottfried Mayer, der Gründer und Kopf der Forschergruppe Klostermedizin, vollkommen unerwartet im Alter von 65 Jahren verstorben.

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Naturheilkunde-Blog

Blog

In unserem Naturheilkunde-Blog möchten wir Ihnen in loser Folge Textbeiträge zu verschiedenen Themen anbieten, die wir größtenteils ursprünglich auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht haben. Thematisiert werden hier verschiedene historische und aktuelle Aspekte der Naturheilkunde.

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Während sich der klassische Schwarztee in Europa, ausgehend von den Niederlanden, erst seit dem beginnenden 17. Jahrhundert durchsetzte, ist der Kräutertee schon wesentlich länger in Gebrauch - dies allerdings als Arzneitee. In den antiken medizinischen Schriften zeichnet sich seine Entwicklung ab: in den hippokratischen Schriften - die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. - findet sich die Anweisung, die Heilpflanzen in Wasser oder Wein einzulegen und dann den gesamten Ansatz, d. h. einschließlich der darin belassenen Pflanzenteile, einzunehmen. Vor der Zeitwende scheint dann das Kochen in Wasser oder Wein üblich geworden zu sein. Der Sud wurde nach dem Kochen abgeseiht und ohne die Pflanzenteile getrunken. Jedenfalls kennen alle wichtigen medizinischen Texte ab dem ersten nachchristlichen Jahrhundert diese Arzneiform. Zentrale Zeugnisse sind hier die ‚Materia medica‘ des Dioskurides (entstanden zwischen 60 und 70 n. Chr.) und die vielen Schriften des Galen von Pergamon (gest. um 200 n. Chr.). Über das gesamte Mittelalter hinweg wird dabei Wein als Auszugsmittel bevorzugt, was zum einen wahrscheinlich hygienische Gründe hat, denn sauberes Wasser war oft schwer zu bekommen; zum andern ist es (aus heutiger Sicht) auch pharmakologisch sinnvoll, denn viele Inhaltsstoffe lösen sich in Alkohol besser als in Wasser, z. B. die ätherischen Öle. Erst in den letzten zwei Jahrhunderten hat sich dann der mit Wasser zubereitete Kräutertee, wie wir ihn heute nutzen, als Arznei- und Genussmittel durchgesetzt. 

Baldrian (Valeriana officinalis)
Verwendet werden ausschließlich die zerkleinerten Wurzel. Sie sollten möglichst lange ziehen. Die beste Zubereitungsform ist folgende: 2 Teelöffel Droge mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen, mehrere Stunden ziehen lassen (bei Schlafstörungen am besten schon am Morgen ansetzen), dann abseihen und vor dem Einnehmen leicht erwärmen, nicht kochen.

Eibisch (Althaea officinalis)
Auch hier wird meist die Wurzel verwendet, auch wenn die Blüten und Blätter ebenfalls genutzt werden können. Die Polysaccharide des Eibisch bilden einen Schutzfilm auf den bei Husten oder Entzündungen gereizten Schleimhäuten. Die Reizung wird gelindert  und die Heilung gefördert. Beim Kochen würden die Polysaccharide z. T. zerstört, deshalb empfiehlt sich auch hier ein Kaltansatz: 1 Teelöffel zerkleinerte Eibischwurzel in eine Tasse kaltes Wasser geben, 1 bis 2 Stunden unter gelegentlichem Umrühren ziehen lassen, abseihen und leicht erwärmen. Dann langsam schluckweise trinken und den Tee möglichst lange im Mund behalten. Mehrfach in kurzen Abständen trinken.

Fenchel (Foeniculum vulgare)
Die Früchte (im Volksmund auch Samen genannt) des Fenchels werden bei Katarrhen und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl eingesetzt. Dazu einen Teelöffel Fenchelfrüchte in einem Mörser (oder behelfsweise auch mit einem Esslöffel auf einem Brettchen - kein Holzbrett: das austretende ätherische Öl würde sich in das Holz hineinziehen) zerdrücken und mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. Zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

Melisse (Melissa officinalis)
Bei Magen-/Darmbeschwerden 2 Teelöffel Melissenblätter mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen, abseihen und nach dem Essen trinken.

Minze: Pfefferminze (Mentha x piperita)
Bei Magen-/ Darm- und Gallebeschwerden 3 Teelöffel Pfefferminzblätter mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

Rose (u. a. Rosa centifolia)
Bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum einen Teelöffel Rosenblätter mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Mehrmals am Tag den Mund mit dem Aufguss spülen.

Salbei (Salvia officinalis)
Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und zur Behandlung von übermäßigem Schwitzen 2 Teelöffel Salbeiblätter mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

Süßholz (Glycyrrhiza glabra)
Süßholz ist ein sehr wirkungsvolles Arzneimittel bei Katarrhen der Atemwege, insbesondere gegen Husten, aber auch bei Magen- und Darmgeschwüren. Man nimmt die zerkleinerte Süßholzwurzel: einen knappen Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 15 bis 20 Minuten ziehen lassen. Täglich 3 bis 5 Tassen trinken.

Thymian (Thymus vulgaris)
Thymian ist sehr wirkungsvoll gegen Bakterien und sogar Viren bei Katarrhen der Atemwege, Bronchitis und Keuchhusten. 2 Teelöffel Thymiankraut mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst heiß trinken.

Literatur:
Johannes G. Mayer, Bernhard Uehleke, Pater Kilian Saum: „Handbuch der Klosterheilkunde“, ZS-Verlag München

Arzneipflanze des Jahres 2026

Arzneipflanze des Jahres 2026

Aufgrund seiner reichhaltigen Nutzung in der Geschichte und Gegenwart kürt der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde den Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres 2026.

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Ausbildung

Ausbildung Klostermedizin und Phytotherapie

Gerade Deutschland besitzt eine lange Tradition und Erfahrung in der Pflanzenheilkunde, die in der Klostermedizin ihren Ausgang nahm. Seit Herbst 2010 bietet die Forschergruppe Klostermedizin eine Fortbildung für Ärzte, Heilpraktiker, Apotheker und Interessierte an. Der nächste Ausbildungskurs beginnt im Juni 2018.

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Aktuelle Publikationen und Medienberichte

Tobias Niedenthal
„Ein unscheinbares, doch vortreffliches Kraut“: Historische Bemerkungen zur Schafgarbe. Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen (im Druck, ZAG 4/2025 – Dezember)

Sammelband: Augsburger Medizingeschichte in europäischer Vernetzung: Materia Medica Augustana (im Druck, 13. November 2025)

  • Stefan Buß, Julia Kessler, Tobias Niedenthal, Klaus Wolf — „Ulrich Ellenbog. Pesttraktat (Tractatus de pestilentia, deutsch). Erstedition.“ 127–147.
  • Stefan Buß, Julia Kessler, Tobias Niedenthal, Klaus Wolf — „Ulrich Ellenbog: Erster umweltmedizinischer Traktat in deutscher Sprache. Erstedition.“ 149–153.
  • Tobias Niedenthal — „Ulrich Ellenbog über Pest und Gewerbehygiene.“ 155–162.

Tobias Niedenthal
"Zur Geschichte der Extraktion und Destillation aromatischer Stoffe sowie der Auszüge aus Rosen." Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen 29(3): 108–111

Tobias Niedenthal
"Die Übernahme des antiken Heilpflanzenwissens im lateinischen Mittelalter am Beispiel ausgewählter Werke und Arzneipflanzen." Zeitschrift für Arznei‑ und Gewürzpflanzen 29(1): 23–32 (2025)

EN‑Preprints – Englische Übersetzungen und Zusammenfassungen (freie Volltexte)

Tobias Niedenthal
"Hildegard of Bingen: Life, Medicine and Natural Knowledge." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Odo Magdunensis and the Macer floridus." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Walahfrid Strabo and the Hortulus." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"The Lorscher Arzneibuch (LA) ['Lorsch Book of Remedies']." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Rotten cheese steep'd in tobacco: The history of saw palmetto (Serenoa repens) from crop and foodstuff to a recognised medicinal plant." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal, Johannes G. Mayer
"Drink before breakfast and vomit: The history of witch hazel (Hamamelis virginiana) in America and Europe." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Evidence Brief — Monastic Medicine (ca. 500–1200): Text vs. Myth." Zenodo (2025)

Tobias Niedenthal
"Evidence Brief — Hildegard of Bingen (1098–1179): Text vs. Myth." Zenodo (2025)

Naturwissenschaftliche Papers

Katharina Wetzel, Priscilla Nhan, Tatyana Tishakova, Tobias Niedenthal, Marvin Häßler, Juan F. Ayala‑Cabrera, Lidia Montero, Oliver J. Schmitz
"The benefits of multi-2D LC × LC compared to LC × LC for the analysis of European herbal remedies." Analytical and Bioanalytical Chemistry (19. Dezember 2025)

Fabien Schultz, Tobias Niedenthal, Isabel Nicolai-Lorenz, Kandace Baez, Tabitha Iker, Leif-Alexander Garbe
"A potion for prolonged life? Germes’ recipe, a secret handwritten note from an 18th century Swedish physician." Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine (22. Oktober 2025)

Marvin Häßler, Katharina Wetzel, L. Warnecke, Tobias Niedenthal, Lidia Montero, Juan F. Ayala‑Cabrera, Oliver J. Schmitz
"Assessment of the differentiation of Sambucus nigra plant parts using a multi‑target and suspect screening by LC‑HRMS and ICP‑OES." Analytical and Bioanalytical Chemistry (20. September 2025)

Katharina Wetzel, Tishakova Tatyana, Marvin Häßler, Tobias Niedenthal, Juan F. Ayala‑Cabrera, Lidia Montero, Oliver J. Schmitz
"Which extraction technique is the best for LC × LC analysis of bioactive compounds from European medicinal plants: Conventional or sustainable extraction techniques?" Green Analytical Chemistry (März 2025)


Presseschau zu den Arzneipflanzen des Jahres

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